Nachtwallfahrt von Neustadt/Aisch nach Kloster Schwarzenberg

NEUSTADT/AISCH/ SCHEINFELD (raj) - „Getröstet leben“ – unter diesem Motto stand eine Nachtwallfahrt über 23 Kilometer über die gesamte Nacht von Neustadt/Aisch bis zum Kloster Schwarzenberg in Scheinfeld. Seit fast 20 Jahren bietet die Diözesanstelle „Berufe der Kirche“ des Erzbistums Bamberg diese Wallfahrt „der besonderen Art“ an. Ursprünglich für Jugendliche gedacht, die sich dabei mehr Klarheit für die eigene persönliche Zukunft verschaffen wollten, hat sich die Zielgruppe inzwischen hin zu den etwas „reiferen“ Erwachsenen verändert, sagt Domvikar Robert Mayr. Geblieben ist aber das Konzept dieser langen Nacht über Stock und Stein auf ganz unterschiedlichen Streckenführungen im Gebiet der Erzdiözese Bamberg. Die besondere Atmosphäre einer Nachtwanderung, der  Erlebniswert von erlebter Stille auf dem gemeinschaftlichen Weg, die Gesänge aus dem Bereich der „neuen geistlichen Lieder“ sowie die inhaltlich gut aufeinander abgestimmten geistigen Impulse erklären der Erfolg dieser Veranstaltung. Das bestätigen die begeisterten Rückmeldungen der Wallfahrer jedes Jahr aufs Neue. 90 Frauen und Männer waren es diesmal, die sich zusammen von Neustadt auf den Weg über Gutenstetten, Münchsteinach und Obersteinbach bis hin zum Kloster Schwarzenberg machten. Die Teilnehmenden kamen aus allen Ecken Mittel- und Oberfrankens mit einem kleinen Schwerpunkt aus dem Bamberger Raum. Etwa 15 Wallfahrer waren zum ersten Mal dabei. Die meisten sind jedoch bereits Stammgäste mit zehn Teilnahmen und mehr. Los ging’s noch bei Tageslicht von der katholischen Kirche Sankt Johannes im Zentrum von Neustadt und dann auf Flurwegen und kleineren Straßen in Richtung Nordwesten. Die nächsten drei Stationen der Wallfahrer waren allesamt evangelische Kirchen, die eigens für die Pilger geöffnet und von Verantwortlichen vorgestellt wurden. Susanne aus Höchstadt, die zum ersten Mal dabei war, zeigte sich sehr beeindruckt, dass diese Kirchen, die sie sonst kaum besucht hätte, geöffnet waren. Normalerweise fahre man an solchen Sehenswürdigkeiten etwas achtlos vorbei, sagt sie. Uneingeschränkte Begeisterung war unter den Teilnehmenden zu spüren, als man sich um 1 Uhr nachts in Münster von Münchsteinach, einer romanischen Pfeilerbasilika, zum Thema „Billiger Trost“ traf. Wie sollte der Trost, den ich jemandem versuche zu spenden, formuliert sein, damit er auch als solcher ankommt und angenommen werden kann? Trostgeschichten aus dem Psalmenschatz des alten Testaments prägten den ersten Teil der Nacht. Sehr beindruckt von den späten (oder „frühen“) Gästen gegen halb vier Uhr nachts war Volker Steinmann, der Vertrauensmann des Kirchenvorstands von Sankt Rochus in Obersteinbach. „So etwas hatten wir hier noch nie“, sagte er vor der Vorstellung seiner kleinen Gemeinde, die seit mehr als 20 Jahren keinen eigenen Pfarrer mehr hat. „Wer auf Gott vertraut, der ist ganz bei Trost“, lautete die Botschaft von Gemeindereferentin Jacqueline Stoeßel bei dieser Station. Denn Trost könne tatsächlich Zuversicht schenken. Bei der fünften Station, einer großen freien Weggabelung im Wald, spielten zerplatzte Pläne und Träume eine besondere Rolle. „Gott ist treu und verlässt uns nicht, auch wenn unsere Pläne und Hoffnungen mitunter wie Seifenblasen zerplatzen“ – hieß es dort im ersten Morgenlicht mit der passenden Untermalung von Hunderten von Seifenblasen. Genau dieser wohldurchdachte Spannungsbogen der Stationen und geistigen Anstöße beeindruckten Silvia aus Zapfendorf bei Bamberg sehr. Bettina aus der Nähe bei Herzogenaurach lobte die „liebevolle Gestaltung“ der einzelnen Stationen durch das Vorbereitungsteam. Als logistische Meisterleistung wurde die Arbeit des begleitenden Organisations-Teams um Schwester Maria Uttenreuther gewertet, das nicht nur die Wegstrecken ausgekundschaftet, sondern auch immer wieder dafür Sorge trug, dass die Musikinstrumente des Musiktrios und alle anderen notwendigen Präsentationsmittel punktgenau an Ort und Stelle waren. Kurz vor sieben Uhr morgens zogen die Wallfahrerinnen und Wallfahrer in die Wallfahrtskirche von Kloster Schwarzenberg ein und feierten dort den Abschlussgottesdienst. Beim abschließenden Frühstück im Kreuzgang des Klosters war an allen Tischen zu hören: „Nächstes Jahr, das sind wir ganz sicher wieder dabei – und bringen noch weitere Freunde und Bekannte mit!“

(Ralf Jakob)    

Nachtwallfahrt 17./18.06.2016