Nachtwallfahrt vom 23./24.06.2017

Nachtwallfahrt in Neumondnacht nach Sassanfahrt

EGGOLSHEIM/SASSANFAHRT (raj) - „Von Herzen gern“ – unter diesem Motto stand eine Nachtwallfahrt über 24 Kilometer im Forchheimer Land. Mehr als 100 Teilnehmer und Teilnehmerinnen aus der ganzen Diözese wanderten von Eggolsheim über die Kirche St. Johannes des Täufers in Schirnaidel, dann weiter über den Senftenberg hoch auf die Friesener Warte. Von dort ging es über die Kirche St. Michael in Seigendorf und über Hirschaid nach Sassanfahrt, wo in der Pfarrkirche St. Mauritius der frühmorgendliche Abschlussgottesdienst stattfand.

Die „etwas andere“ Wallfahrt

„Die Zeit der Nacht hat uns Gott normalerweise zum Schlafen gegeben; diese Nacht heute aber, um uns etwas Besonderes sagen zu können“, hieß es zur Begrüßung in der Pfarrkirche St. Martin. Seit weit mehr als 20 Jahren bietet die Diözesanstelle „Berufe der Kirche“ des Erzbistums Bamberg diese Wallfahrt „der besonderen Art“ an. Ursprünglich für Jugendliche gedacht, die sich dabei mehr Klarheit für die eigene persönliche Zukunft verschaffen wollten, hat sich die Zielgruppe inzwischen hin zu den etwas „reiferen“ Erwachsenen verändert. Geblieben ist bis heute das Konzept, bewusst nicht einen bekannten Wallfahrtsort anzusteuern, sondern sich jedes Jahr über Stock und Stein auf ganz unterschiedlichen Streckenführungen im Gebiet der Erzdiözese Bamberg zu bewegen und dabei ganz unterschiedliche Kirchen aufzusuchen. Das erfordert natürlich jedes Mal einen hohen organisatorischen Aufwand, weil Streckenführung und die Stationen in den verschiedenen Kirchen neu ausgesucht werden müssen.  Doch die besondere Atmosphäre dieser langen Wanderung durch die Nacht, der Erlebniswert von erlebter Stille auf dem gemeinschaftlichen Weg, die Gesänge aus dem Bereich der „neuen geistlichen Lieder“ sowie die inhaltlich gut aufeinander abgestimmten geistigen Impulse erklären der Erfolg dieser Veranstaltung.

Neue Erfahrungen und perfekte Organisation

Das bestätigen die begeisterten Rückmeldungen der Wallfahrer jedes Jahr aufs Neue. Alte Hasen, die auch schon nach Altötting. Vierzehnheiligen oder Gößweinstein gelaufen sind, schätzen die unkomplizierte Art des Miteinanders und des Wallfahrens ebenso wie die zahlreichen Neulinge. Etwa wie Thomas aus Forchheim, der von dem Angebot aus der Zeitung erfahren hat. Für ihn ist es „eine ganz neue Erfahrung“, nicht früh am Morgen zu einer Wallfahrt aufzubrechen, sondern „in die Nacht hineinzulaufen“. Auch der Start in St. Martin hat ihm sehr gut gefallen: „Ich habe mich von den Organisatoren gut aufgenommen gefühlt und war als Anfänger gleich voll dabei“, sagt er.  Auch Katharina aus Reundorf war vom Empfang in der Kirche begeistert.  Die gute Mischung aus „Jung und Alt“ und die unkomplizierte Art des Umgangs miteinander haben die 44-Jährige schwer beeindruckt. Die genauen Namen der anderen Wallfahrer sind hier gar nicht so wichtig, meint die „Neu-Wallfahrerin“, die Begegnungen sind es umso mehr. Ein anderer Neuling, Harry (55) aus der Nähe von Ebern, lobt die perfekte Organisation, die geistigen Impulse und die ausgesuchte Strecke. „Hier in der Gegend war ich noch nie“, sagt er und will auf alle Fälle einmal wiederkommen und die wichtigsten Stationen bei Tageslicht ansehen. Angelika aus Hirschaid genießt in der -erstaunlicherweise hellen - Neumondnacht vor allem den prächtigen Sternenhimmel und die himmlische Ruhe im Wald. Hoch angerechnet wird dem Wirt auf dem Senftenberger Keller, dass er für die Wallfahrergruppe eigens bis 2 Uhr in der Nacht wach geblieben ist und an alle Dürstenden heiße und kalte Getränke verteilt. Als logistische Meisterleistung wurde die Arbeit des begleitenden Organisations-Teams um Schwester Maria Uttenreuther, Manfred und Kathrin Distler gewertet, das nicht nur die Wegstrecken ausgekundschaftet, sondern auch immer wieder dafür Sorge trug, dass das Begleitfahrzeug bei nächtlichen Kreuzungen von Straßen mit eingeschalteter Warnblinkanlage präsent war und zudem alle notwendigen Präsentationsmittel punktgenau an Ort und Stelle schaffte. Doch nicht allein für Maria aus Reundorf, die bereits zum vierten Mal dabei ist, sind das wirklich Besondere dieser Wallfahrt die mit Bedacht und liebevollen Blick fürs Detail ausgearbeiteten Impulse in den fünf Kirchen und der frühmorgendlichen Station im Freien. Sie zeigt sich beeindruckt von der spirituellen Tiefe dieser kurzen Einheiten, die zum Teil noch lange nachhallen und im Herzen verweilen. „Da nimmt jede etwas mit für ihr Leben“, davon ist sie überzeugt.

Tiefgehende geistige Impulse

Die geistigen Impulse kreisten in diesem Jahr mit unterschiedlichen Aspekten um das Thema „Herz“. In der Eggolsheimer Pfarrkirche wurden die Pilger aufgefordert, einmal ganz bewusst innezuhalten und ihren Herzschlag am Handgelenk oder auf der Brust zu erspüren.  In Schirnaidel wurde der unnötige „Ballast“ thematisiert, der auf jedem Herzen lastet und die Teilnehmer in die Nacht geschickt mit der Aufgabe zur individuellen oder gemeinsamen Beantwortung der Frage: „Woran hängt mein Herz, woraus besteht mein Leben?“  Gegen zwei Uhr in der Nacht in der kleinen Kapelle St. Georg auf dem Senftenberg widmete man sich gemeinsam dem Thema „Herzklopfen“ und durfte sich an alle jene Situationen der Freude oder der Angst zurückerinnern, als einem wahrlich „das Herz klopfte“. Mit der festen Zusage, dass „Gottes Herz für jeden einzelnen von uns brennt und er deshalb zu uns steht“ wurden die Wallfahrer und Wallfahrerinnen auf die nächste schwierige Wegstrecke hinauf zur Friesener Warte entlassen. Ziemlich müde schon und im dunklen Wald auf einem schmalen Steig bergauf zu gehen, das erfordert Konzentration und auch eine gute Portion Kondition. Dafür wurden die Pilger dort oben neben dem Segelflugplatz mit einem wunderbaren Panoramablick auf die beleuchteten Dörfer im Tal reichlich belohnt. Von einem „Magic Moment“ sprach nicht alleine Maria aus Reundorf, als kurz nach dem gemeinsamen Impuls zu „Beherzt leben“ ein Segelflugzeug nach einem erfolgreichen Flug in den Sonnenaufgang hinein direkt über den Köpfen der Wallfahrer zur Landung ansetzte. „Das ist das Paradies hier“ -  entfuhr es hingegen so manchem Anderem beim Abstieg, der neben den ersten Sonnenstrahlen auch von hundertfachem Vogelgezwitscher begleitet wurde. Nach dem gemeinsamen Abschlussgottesdienst mit dem langjährigen früheren Leiter der Diözesanstelle „Berufe der Kirche“ und heutigem Pfarrer von Sassanfahrt, Robert Mayr, konnten sich alle zum gemeinsamen Frühstück im Pfarrsaal bequem niederlassen. Das Thema „von Herzen gern“ wird jedoch alle noch eine Weile begleiten: hatte doch jeder und jede Teilnehmerin ein kleines Herz aus Olivenholz, gefertigt von christlichen Palästinensern im Heiligen Land, als Handschmeichler in der Tasche mit nach Hause bekommen.     

(Ralf Jakob)         

 

Nachtwallfahrt 23./24.06.2017