Gemeinsam durch die Nacht nach Vierzehnheiligen

SCHESSLITZ/VIERZEHNHEILIGEN (raj) - „Vernetzt -verbunden“ – unter diesem Motto wanderten 110 Wallfahrer und Wallfahrerinnen auf Einladung der Diözesanstelle „Berufe der Kirche“ zwölf Stunden lang durch den östlichen Bamberger Landkreis. Vom Ausgangspunkt Scheßlitz ging es 23 Kilometer lang überwiegend auf schmalen Pfaden und Waldwegen über Burgellern, Ehrl und Pausdorf hinauf auf den Marienberg bei Dörrnwasserlos und dann über Stublang und Uetzing zum Zielpunkt Vierzehnheiligen. Die Teilnehmenden kamen aus der ganzen Diözese mit einem Schwerpunkt aus der Bamberger Gegend und der Fränkischen Schweiz. Aber auch Teilnehmerinnen aus Coburg, Burgkunstadt, Kulmbach sowie Herzogenaurach, Nürnberg und dem Fürther Landkreis waren vertreten.

Die „etwas andere“ Wallfahrt

Nach genau zwanzig Jahren dieser „etwas anderen Wallfahrt“ der Diözesanstelle „Berufe der Kirche“ des Erzbistums Bamberg wurde zum ersten Mal ein Ziel angesteuert, das bereits früher einmal Zielort einer Nachtwallfahrt gewesen war: Zum Jubiläum wurde wie beim allerersten Mal die Wallfahrtsbasilika Vierzehnheiligen ausgesucht. Damals in den Anfängen wollte man mit dieser speziellen Art der Wallfahrt gerade den Jugendlichen etwas Ungewöhnliches bieten. Nämlich nicht wie sonst allgemein üblich, Jahr für Jahr auf den genau gleichen Wegen ein populäres Wallfahrtsziel anzusteuern, lautete die Devise. Sondern: sich jedes Jahr über Stock und Stein auf ganz unterschiedlichen Streckenführungen im Gebiet der Erzdiözese Bamberg zu bewegen und dabei ganz unterschiedliche Kirchen aufzusuchen. Diesem Konzept ist man bis heute treu geblieben - auch mit der inzwischen erfolgten Veränderung der Zielgruppe hin zu den etwas „reiferen“ Erwachsenen. Während so mancher „altgedienter Wallfahrer“, gerade, wenn er erstmals mit von der Partie ist, dies als gewöhnungsbedürftig empfindet und traditionelle Gebete vermisst, sind die allermeisten regelrecht begeistert von diesem Konzept. Franz aus Hetzles beispielsweise ist schon zum achten Mal dabei und freut sich jedes Jahr auf neue Wege und unbekannte Kirchen und Ortschaften. Der ausgebildete Wallfahrtsführer leitet seit Jahren selbst Wallfahrten nach Gößweinstein, möchte aber diese Wallfahrt durch die Nacht in den Morgen hinein keinesfalls missen. „Man hat das Gefühl wesentlich weiter zu laufen als am Tag, weil man ja in der Nacht kaum etwas sieht“, sagt Gerlinde aus Hirschaid, die nach etlichen Tageswallfahrten nun erstmals diese Version durch die Nacht gewagt hat. Dafür, so ergänzt sie, habe man „viel mehr Zeit über sich und die Welt nachzudenken“. Isabell aus Litzendorf und Elli aus Heroldsbach, die zu den jüngeren Teilnehmerinnen gehören, finden die Wallfahrt „voll gut“ oder resümieren kurz und knapp mit „alles super“.

Spirituelle Impulse und perfekte Organisation

Die Hauptlast der Vorbereitung und der präzisen Durchführung ruhte diesmal auf den Schultern von Schwester Maria Uttenreuther von der Diözesanstelle, die zuvor die Wegstrecke ausgesucht und gemeinsam mit Manfred Distler die Wegstrecke abgelaufen und die besonderen Wegabzweigungen genauestens notiert hat. Schwester Maria läuft zumeist an der Spitze der Wallfahrenden, bestimmt das Tempo und die Pausen zwischendurch und gestaltet zumeist auch die Impulse an den fünf Stationen. Es sind wohl die besondere Atmosphäre einer Nachtwanderung, der Erlebniswert von erlebter Stille auf dem gemeinschaftlichen Weg und die inhaltlich gut aufeinander abgestimmten geistigen Impulse, die den fortwährenden Erfolg dieser Veranstaltung erklären. Neben der perfekten Organisation werden auch die von Michael Dotzauer, dem Spiritual und Leiter der Diözesanstelle, auf der Gitarre begleiteten Gesänge aus dem Bereich der „neuen geistlichen Lieder“ besonders geschätzt. So wird sich so mancher Gottesdienstbesucher der Frühmesse in Vierzehnheiligen über die lebendigen und modernen Lieder beim Abschlussgottesdienst gewundert und hoffentlich auch gefreut haben. „Komm Herr segne uns, dass wir uns nicht trennen“ – mit diesem Lied endete die Nachtwallfahrt und drückte damit auch den Wunsch vieler Wallfahrer und Wallfahrerinnen nach einer Fortsetzung dieses Gemeinschaftsgefühls aus. Spätestens beim reichhaltigen Frühstücksbüffet im Diözesanhaus waren die Lebensgeister der Wallfahrenden wieder voll da, die zuvor beim mitunter anstrengenden Gang durch die schwülwarme Nacht etwas gelitten hatten. „Nächstes Jahr zur Nachtwallfahrt sehen wir uns auf alle Fälle wieder“ waren die meistgehörten Abschiedsworte bei den Teilnehmenden. 

                                                                                                                     

Ralf Jakob      

 

Nachtwallfahrt 2019