Jahrestagung des PWB mit Weihbischof Herwig Gössl

Was haben Hape Kerkeling und der synodale Weg miteinander zu tun? „Nichts wie Weg(e)!“, so die Antwort von Weihbischof Herwig Gössl. Als Referent bei der Jahrestagung des Päpstlichen Werks für geistliche Berufe im Februar spannte der Weihbischof einen Bogen von den Pilgererfahrungen des bekannten Entertainers zum gegenwärtigen synodalen Weg der Kirche in Deutschland. Im Mittelpunkt seiner Ausführungen standen dabei der Weg Jesu und der jungen Kirche.

Es gebe viele Gründe, sich auf den Weg zu machen: Abenteuerlust, sportliche und gesundheitliche Gründe oder der Wunsch nach Entschleunigung. Das Buch „Ich bin dann mal weg“ von Kerkeling erzähle auch vom Pilgern als Suche nach Mehr, nach sich selbst und nach Gott. Umso erstaunlicher, dass es über einen langen Zeitraum Bestseller war, gelesen wurde, Menschen miteinander ins Gespräch brachte!
Ausgangspunkt für den Weg, so der Referent, sei der Impuls: „Nichts wie weg! So kann es nicht weitergehen.“ Sich auf den Weg machen, bedeute Abschied und Aufbruch. Die Bewegung könne dann zu neuen Einsichten führen.
Die ganze Bibel sei voll von Weg-Geschichten, angefangen von Abraham bis hin zu Jesus, der von sich sagt: „Ich bin der Weg.“ Jesus sei der Weg Gottes zum Menschen und gleichzeitig der Weg des Menschen zu Gott.
Der Mensch sei zum Unterwegssein geboren. Jeder gehe seinen Weg. „Es gibt so viele Wege zu Gott, wie es Menschen gibt“, habe Papst Benedikt einmal gesagt. Dennoch sei es ein Unterwegssein in Gemeinschaft. Es brauche also gegenseitige Rücksichtnahme und Achtsamkeit. Immer stelle sich die Frage: Ist es der richtige Weg? Ist es der Weg Jesu? Der Weg Jesu sei ein Weg von oben nach unten, ein Weg der Hingabe, der Weg zum Vater.
Dies sei der Ansatz für den synodalen, das heißt den gemeinsamen Weg der Kirche, auf den alle mitgenommen werden sollen: Alte und Junge, Männer und Frauen, Haupt- und Ehrenamtliche, Menschen, die sich eher „außen“ positionieren, und Menschen, die sich „innen“ wissen, und auch die zukünftig Glaubenden. Alle seien dazu eingeladen, sich wie die Emmaus-Jünger den Sinn der Schrift erschließen zu lassen und zu entdecken, dass der Weg der Hingabe sinnvoll ist.
Die Apostelgeschichte zeige, dass ein solcher Weg voller Dynamik und Überzeugung ist: Aus einer Splittergruppe sei eine weltweite, missionarische Bewegung geworden. Die Zerstreuung nach der Steinigung des Stephanus habe die Christen nicht gelähmt, sondern den Glauben und mit ihm große Freude verbreitet. Schon damals sei versucht worden, einen Keil zwischen die Gläubigen zu treiben (auf der einen Seite Judenchristen in Jerusalem, auf der anderen aus dem Diasporajudentum kommende Hellenisten). Aber die Christen hätten sich nicht auseinanderdividieren lassen. Christus verbinde, er spalte nicht. Wo man dagegen nichts miteinander zu tun haben will, sei der Geist Gottes nicht am Werk.
Am Beispiel der Taufe des äthiopischen Kämmerers zeigte Weihbischof Gössl schließlich auf, dass Evangelisierung Mut brauche, Menschen auf dem Weg anzusprechen, unaufdringlich und einfühlsam. Überall können sich Gelegenheiten ergeben, um die Welt mit der frohen Botschaft in Berührung zu bringen. Dazu sei es notwendig, mit den Menschen mitzugehen. Das bedeute nicht, alles gutzuheißen. Es bedeute aber auch nicht, von oben herab alles besser zu wissen. Es könne auch heißen, sich miteinander weiterzubilden. Das Glaubenszeugnis anderer Menschen brauche jeder, auch der Priester und der oder die Hauptamtliche.

Die Ausführungen von Weihbischof Herwig lösten bei den rund 40 Förderinnen und Förderern des PWB ein lebhaftes Echo aus. So wurden Beispiele von gelungenen Glaubensgesprächen erzählt. Die Aussage, jeder gehe seinen Weg, helfe, wenn verschiedene Auffassungen von Wahrheit da sind. Andererseits frage man sich, ob es dann überhaupt „die Wahrheit“ gibt. Der Weihbischof erläuterte, Auseinandersetzungen um die Wahrheit habe es in der Kirche immer gegeben, von Anfang an. Denn „wir haben die Wahrheit nicht einfach, wir sind immer nur auf dem Weg zu ihr“.
Bereitwillig ging er auf Nachfragen zum synodalen Weg ein. Das erste Treffen sei jedenfalls „besser als befürchtet“ gewesen. Es sei ein achtsamer Umgang miteinander spürbar. Die Ergebnisse der Foren, die im Vorfeld gearbeitet haben, und der Befragung aller Gläubigen seien in einer guten Weise ins Plenum eingebracht und besprochen worden. Die Frage, ob es sich um einen deutschen Sonderweg handle, beantwortete der Weihbischof mit einem klaren Nein. Die angesprochenen Themen spielten überall in der Weltkirche eine Rolle, wenn auch (noch) nicht überall so darauf eingegangen wird. Es sei allen Teilnehmenden bewusst, was von der Ortskirche entschieden werden kann, was an Rom oder an ein Konzil weitergegeben werden muss.

Anschließend feierte Weihbischof Herwig Gössl mit den Anwesenden Eucharistie in der Bistumshauskapelle, bevor es in die Mittagspause ging.
So gestärkt an Seele und Leib schaute man auf die Aktivitäten des Päpstlichen Werks und der Diözesanstelle Berufe der Kirche im vergangenen Jahr zurück und blickte nach vorne. Höhepunkte des kommenden Jahres werden im Mai ein 24-Stunden-Gebet zum Weltgebetstag um geistliche Berufe und im September eine Wallfahrt nach Benediktbeuern sein. Mit einer kurzen Andacht wurde der gelungene Tag beendet.

 

 

Foto und Text: Diözesanstelle Berufe der Kirche/PWB