Um geistliche Berufungen beten und bitten

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Schon seit vielen Jahren spricht man in den deutschen Bistümern von „Priestermangel“. Das ist nichts wirklich Neues. Bereits vor 100 Jahren gab es einen „Priestermangel“: Im Ersten Weltkrieg waren unter den Millionen Soldaten auch viele Seminaristen in den Schützengräben gefallen. Andere junge Männer, die gerne Priester werden wollten, hatten keine Mittel, um das Theologiestudium zu finanzieren. Dabei waren gerade in dieser historischen Situation, die von Arbeitslosigkeit, Depression und ideologischen Kämpfen geprägt war, Priester nötiger denn je.

Eine adelige Frau, Prinzessin Maria Immaculata von Sachsen, erkannte diese Not und gründete zusammen mit einer Gruppe von Gleichgesinnten im Jahr 1926 in Freiburg das „Frauenhilfswerk für Priesterberufe“. Zweck des Werkes sollte es sein, um gute Priester zu beten, durch das eigene Leben und Vorbild dazu beizutragen, dass Berufungen wachsen können, sowie das Sammeln von Spenden zur Unterstützung von Priesterkandidaten. Das Werk erfuhr eine rasche Ausbreitung in den deutschen Diözesen. Aus der kleinen Gründungsgruppe wurde schon innerhalb weniger Jahre ein Netzwerk von rund 250.000 engagierten Frauen.

Den neuen Machthabern in Deutschland konnte das nicht verborgen bleiben, und so wurde das Werk im Jahr 1939 verboten. Papst Pius XII. gründete daraufhin kurzerhand das „Päpstliche Werk für Priesterberufe“ (PWP), dem das Frauenhilfswerk eingegliedert werden konnte und das seinen Fortbestand garantierte. Dem PWP wurde 1955 ein „Päpstliches Werk für Ordensberufe“ (PWO) zur Seite gestellt. Beide verschmolzen nach dem II. Vatikanischen Konzil zum „Päpstlichen Werk für geistliche Berufe“ (PWB), wie es bis heute heißt. Es widmet sich dem Gebet um Berufungen zum Priestertum und zum geweihten Leben, und um Frauen und Männer, die sich in den pastoralen Berufen der Kirche zur Verfügung stellen. Deswegen hat das PWB auch immer schon eine besondere Nähe zum Priesterseminar. Im Erzbistum Bamberg gibt es heute etwa 470 Frauen und Männer, die dem PWB angehören und die allein oder in Gruppen um geistliche Berufe beten. Aus Mitteln des PWB werden Darlehen zur Unterstützung von jungen Menschen vergeben, die sich auf einen pastoralen Beruf im Erzbistum vorbereiten. Jährlich veranstaltet es für seine Mitglieder eine zweitägige Pilgerfahrt, und, gemeinsam mit dem Priesterseminar, ein Wochenende für die Eltern der Priester und Priesterkandidaten. Gebet um geistliche Berufungen ist zu jeder Zeit aktuell, nicht nur dann, wenn ein „Mangel“ spürbar wird. Denn bereits im Evangelium sagt Jesus: „Die Ernte ist groß, aber es gibt nur wenig Arbeiter. Bittet also den Herrn der Ernte, Arbeiter für seine Ernte auszusenden.“ (Lk 10,2)

Diesem Aufruf Jesu wollen die Mitglieder des PWB folgen. Geistliche Berufungen kann man nicht machen. Sie sind ein Geschenk Gottes. Aber man darf um sie bitten und darauf vertrauen, dass der Herr das Gebet erhört. Das Gebet hat auch eine Signalwirkung. Wo um Berufungen gebetet wird, können junge Menschen erkennen: Ein geistlicher Beruf in der Nachfolge Jesu ist auch heute eine reale Option – vielleicht sogar für mich.

Wer sich näher informieren oder das PWB unterstützen möchte, wendet sich bitte an die 
Diözesanstelle Berufe der Kirche und PWB
Heinrichsdamm 32
96047 Bamberg
Tel. 0951/502-2231
E-Mail: berufe-der-kirche@erzbistum-bamberg.de
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Ein Artikel von Michael Dotzauer, Spiritual und Leiter der Diözesanstelle Berufe der Kirche